Koronare Herzkrankheit: was bei verengten Herzkranzgefäßen hilft
- Frage
- Braucht jede Verengung eines Herzkranzgefäßes einen Stent?
- Kurzantwort
- Nein. Bei stabiler koronarer Herzkrankheit haben große Studien gezeigt, dass ein Stent Beschwerden lindern kann, Herzinfarkte und Todesfälle aber meist nicht seltener macht als eine gute medikamentöse Behandlung. Im akuten Herzinfarkt ist das anders.
- Sicherheit der Evidenz
- hoch

Gliederung
Bei der koronaren Herzkrankheit, kurz KHK, sind die Gefäße verengt, die den Herzmuskel mit Blut versorgen. Ursache ist eine Arteriosklerose: Ablagerungen in der Gefäßwand, die über Jahrzehnte wachsen. Typisches Zeichen ist die Angina pectoris, ein Druck- oder Engegefühl in der Brust, das bei Belastung auftritt und in Ruhe nachlässt. Reißt eine Ablagerung auf, kann sich ein Gerinnsel bilden und das Gefäß verschließen – ein Herzinfarkt.
Risikofaktoren
Zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren gehören Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Typ-2-Diabetes, Bewegungsmangel und starkes Übergewicht. Nicht beeinflussbar sind Alter, Geschlecht und familiäre Veranlagung. Das Risiko ergibt sich aus dem Zusammenspiel – deshalb wird es mit Risikorechnern als Gesamtwert abgeschätzt.
Was das Herz schützt
Für Menschen mit KHK sind mehrere Maßnahmen gut belegt:
- Statine senken das LDL-Cholesterin und in großen Studien auch Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle.
- Thrombozytenhemmer wie niedrig dosiertes ASS verringern bei bestehender KHK das Risiko für Gefäßverschlüsse.
- Blutdrucksenkung, bei Bedarf mit Medikamenten.
- Rauchstopp: Nach einem Herzinfarkt gehört er zu den wirksamsten Einzelmaßnahmen überhaupt.
- Bewegung und Herzsport: Strukturierte Trainingsprogramme verbessern Belastbarkeit und Lebensqualität.
Gegen Angina-Beschwerden helfen zusätzlich Nitrosprays für den akuten Anfall sowie Betablocker oder andere Mittel zur Vorbeugung.
Stent oder Tabletten? Was die Studien zeigen
Lange schien es selbstverständlich, jede bedeutsame Engstelle mit einem Ballon aufzudehnen und einen Stent einzusetzen. Das klingt logisch: Eine Engstelle wird beseitigt. Doch die Behandlung einer Engstelle ist ein Surrogatparameter – entscheidend ist, ob Menschen länger oder besser leben.
Genau das haben große randomisierte Studien bei stabiler KHK untersucht. Die amerikanische COURAGE-Studie von 2007 und die ISCHEMIA-Studie von 2020 mit mehr als 5.000 Teilnehmenden mit mittel- bis hochgradiger Minderdurchblutung verglichen eine frühe Katheterbehandlung mit einer optimalen medikamentösen Therapie. Das Ergebnis: Herzinfarkte und Todesfälle traten in beiden Gruppen insgesamt ähnlich häufig auf. Menschen mit häufigen Angina-Beschwerden profitierten aber von der Katheterbehandlung durch weniger Beschwerden und eine bessere Lebensqualität.
Leben mit KHK
Wer eine KHK hat, profitiert von Wissen: über die eigenen Medikamente, den Umgang mit Angina-Anfällen und die Warnzeichen eines Infarkts. Dafür gibt es strukturierte Schulungen und seit vielen Jahren ein Disease-Management-Programm für KHK, siehe Patientenschulung und DMP. Viele Betroffene berichten zudem, dass Stressbewältigung ihnen hilft. Die Studienlage zu Entspannungsverfahren wie Meditation bei KHK ist allerdings begrenzt; sie sind eine Ergänzung, kein Ersatz.
Häufige Fragen
Muss ich nach einem Stent weniger Medikamente nehmen?
Nein, eher im Gegenteil. Nach einem Stent sind vorübergehend zusätzliche Thrombozytenhemmer nötig, damit sich im Stent kein Gerinnsel bildet. Statine und andere schützende Medikamente bleiben ebenfalls wichtig, weil die Arteriosklerose den ganzen Körper betrifft.
Wie sicher ist Sport mit KHK?
Für Menschen mit stabiler KHK ist dosierte Bewegung sicher und nützlich. Zu Beginn empfiehlt sich eine Belastungsuntersuchung und ein Training in einer Herzsportgruppe. Treten Brustschmerzen bei Belastung auf, wird das Training beendet und ärztlich abgeklärt.
Was ist ein Belastungstest?
Bei einem Belastungstest, etwa auf dem Fahrrad, wird beobachtet, wie Herz und Kreislauf auf Anstrengung reagieren. Er hilft, Beschwerden einzuordnen und die richtige Trainingsintensität festzulegen. Daneben gibt es bildgebende Verfahren, die Durchblutungsstörungen sichtbar machen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK. www.leitlinien.de
- Maron DJ et al.: ISCHEMIA-Studie (NEJM 2020). www.nejm.org
- Deutsche Herzstiftung. herzstiftung.de
- Wikipedia: Koronare Herzkrankheit. de.wikipedia.org
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Einschätzung der Evidenz ist eine redaktionelle Zusammenfassung der genannten Quellen – mehr dazu über dieses Projekt.