Patientenschulung und Disease-Management-Programme
- Frage
- Bringen Schulungen und Disease-Management-Programme etwas?
- Kurzantwort
- Gut gemachte, in Studien geprüfte Schulungsprogramme verbessern Wissen, Selbstmanagement und teils auch Krankheitswerte. Für die Programme insgesamt ist der Nutzen weniger klar belegt, weil sie meist nur in Beobachtungsstudien ausgewertet wurden.
- Sicherheit der Evidenz
- moderat
Gliederung
Eine chronische Erkrankung wird nur zu einem kleinen Teil in der Arztpraxis behandelt. Den größten Teil der Zeit sind Betroffene auf sich gestellt: beim Messen, bei der Medikamenteneinnahme, beim Essen und beim Einschätzen von Beschwerden. Patientenschulungen sollen dafür das nötige Wissen und Können vermitteln. Disease-Management-Programme organisieren die Versorgung darum herum.
Was eine gute Schulung ausmacht
Eine Broschüre ist noch keine Schulung. Strukturierte Behandlungs- und Schulungsprogramme zeichnen sich aus durch:
- ein festes Curriculum mit klaren Lernzielen und Materialien,
- Unterricht in kleinen Gruppen, meist über mehrere Termine, oft in der Hausarzt- oder Facharztpraxis,
- praktische Übungen, etwa Blutdruck selbst messen, Blutzucker bestimmen oder Medikamentenpläne lesen,
- geschultes Personal – häufig medizinische Fachangestellte mit Zusatzqualifikation,
- eine Überprüfung in Studien, ob das Programm die gesetzten Ziele erreicht.
In Deutschland wurden solche Programme seit den 1980er-Jahren zunächst für Diabetes und bald auch für Bluthochdruck entwickelt. Heute gibt es anerkannte Schulungen unter anderem für Typ-1- und Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Asthma, COPD, koronare Herzkrankheit und Herzinsuffizienz. Für Menschen, die dauerhaft blutverdünnende Medikamente vom Typ der Vitamin-K-Antagonisten nehmen, gibt es Schulungen zum Gerinnungsselbstmanagement: Sie messen ihren Gerinnungswert selbst und passen die Dosis nach festen Regeln an.
Disease-Management-Programme
Disease-Management-Programme, kurz DMP, sind strukturierte Behandlungsprogramme der gesetzlichen Krankenkassen für chronisch Kranke. Die gesetzliche Grundlage stammt aus dem Jahr 2002, die ersten Programme für Typ-2-Diabetes und Brustkrebs starteten 2003. Die medizinischen Inhalte legt der Gemeinsame Bundesausschuss fest und orientiert sich dabei an Leitlinien.
Programme gibt es für:
| Bereich | Erkrankungen |
|---|---|
| Stoffwechsel | Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2, Adipositas |
| Herz | Koronare Herzkrankheit, chronische Herzinsuffizienz |
| Atemwege | Asthma bronchiale, COPD |
| Weitere | Brustkrebs, chronischer Rückenschmerz, Depressionen, Osteoporose, rheumatoide Arthritis |
Flächendeckend verfügbar sind vor allem die älteren Programme; die jüngeren werden schrittweise umgesetzt und sind nicht überall erhältlich. Insgesamt sind mehrere Millionen Versicherte eingeschrieben.
Was im DMP passiert
Die Teilnahme ist freiwillig. Meist koordiniert die Hausarztpraxis. Vereinbart werden regelmäßige Termine, bei denen festgelegte Untersuchungen stattfinden und dokumentiert werden – bei Typ-2-Diabetes etwa Fußuntersuchungen, Augenkontrollen und Nierenwerte. Gemeinsam werden Therapieziele vereinbart. Die Teilnahme an einer Schulung wird angeboten.
Wie gut ist der Nutzen belegt?
Hier lohnt ein ehrlicher Blick. Auswertungen zeigen, dass in DMP häufiger leitliniengerecht untersucht und behandelt wird. Ob Teilnehmende deshalb seltener Herzinfarkte, Amputationen oder Nierenversagen erleiden, ist schwerer zu beantworten. Die meisten Vergleiche sind Beobachtungsstudien: Wer sich einschreibt, ist oft motivierter oder gesünder als wer es nicht tut. Solche Unterschiede lassen sich statistisch nur teilweise ausgleichen. Die Sicherheit der Aussagen ist deshalb begrenzt – die Richtung der Befunde ist aber überwiegend günstig.
Für wen es sich lohnt
Wer neu mit einer chronischen Erkrankung lebt, profitiert von einer Schulung fast immer: Sie verschafft Zeit und Raum für Fragen, die im kurzen Praxistermin untergehen. Das DMP sorgt dafür, dass wichtige Kontrollen nicht vergessen werden. Beides zusammen ist ein guter Rahmen für die gemeinsame Entscheidungsfindung. Ansprechpartner sind die Hausarztpraxis und die Krankenkasse.
Häufige Fragen
Was kostet eine Patientenschulung?
Anerkannte Schulungen im Rahmen der Disease-Management-Programme werden von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt. Auch außerhalb eines DMP übernehmen Kassen häufig die Kosten. Fragen Sie in Ihrer Praxis oder bei Ihrer Krankenkasse nach.
Kann ich ein DMP wieder verlassen?
Ja, die Teilnahme ist freiwillig und kann jederzeit beendet werden. Wer wiederholt vereinbarte Termine nicht wahrnimmt, kann nach den Regeln der Programme auch ausgeschrieben werden.
Gibt es Schulungen auch online?
Einzelne Schulungsprogramme gibt es inzwischen auch in digitalen oder gemischten Formaten. Welche davon anerkannt sind und erstattet werden, ist unterschiedlich geregelt. Gruppenschulungen vor Ort bieten den Vorteil des Austauschs mit anderen Betroffenen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Disease-Management-Programme. www.g-ba.de
- Bundesamt für Soziale Sicherung: DMP – grundlegende Informationen. www.bundesamtsozialesicherung.de
- Wikipedia: Disease-Management-Programm. de.wikipedia.org
- Wikipedia: Patientenschulung. de.wikipedia.org
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Einschätzung der Evidenz ist eine redaktionelle Zusammenfassung der genannten Quellen – mehr dazu über dieses Projekt.