Typ-2-Diabetes: Diagnose, Therapieziele und was belegt ist
- Frage
- Was ist bei Typ-2-Diabetes wichtiger – ein möglichst niedriger Blutzucker oder etwas anderes?
- Kurzantwort
- Wichtiger als ein möglichst niedriger Blutzucker ist es, Folgeerkrankungen zu vermeiden und gut zu leben. Leitlinien empfehlen deshalb individuelle Zielkorridore und berücksichtigen Herz, Nieren, Blutdruck und Lebensumstände.
- Sicherheit der Evidenz
- hoch

Gliederung
Typ-2-Diabetes ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland; mehrere Millionen Menschen leben mit der Diagnose. Die Erkrankung entwickelt sich meist langsam und verursacht lange keine Beschwerden. Gefährlich wird sie vor allem durch ihre Folgen an Herz, Gefäßen, Nieren, Augen und Nerven. Entsprechend breit ist die Behandlung angelegt – der Blutzucker ist nur ein Teil davon.
Wie die Diagnose gestellt wird
Die Diagnose beruht auf Laborwerten. Üblich sind der HbA1c, der den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen etwa acht bis zwölf Wochen widerspiegelt, und der Nüchternblutzucker.
| Messwert | Diabetes, wenn … |
|---|---|
| HbA1c | 6,5 % (48 mmol/mol) oder höher |
| Nüchternglukose (venöses Plasma) | 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher |
| 2-Stunden-Wert im Zuckerbelastungstest | 200 mg/dl (11,1 mmol/l) oder höher |
Werte knapp darunter gelten als Vorstufe. Ein einzelner auffälliger Wert wird in der Regel durch eine zweite Messung bestätigt.
Zielkorridor statt Zielwert
Lange galt: je niedriger der Blutzucker, desto besser. Große Studien haben dieses Bild relativiert. Eine sehr strenge Senkung verringert zwar manche Folgeschäden an kleinen Gefäßen, erhöht aber das Risiko für Unterzuckerungen und brachte in einzelnen Studien keinen Überlebensvorteil. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes nennt deshalb einen HbA1c-Zielkorridor von etwa 6,5 bis 8,5 Prozent, der gemeinsam festgelegt wird. Für eine jüngere, sonst gesunde Person kann ein Wert am unteren Ende sinnvoll sein, für einen älteren Menschen mit Sturzgefahr einer am oberen.
Was gut untersucht ist
- Lebensstil: In der amerikanischen Diabetes-Präventionsstudie senkte ein intensives Programm mit Bewegung und Ernährungsumstellung bei Menschen mit Vorstufe das Risiko, innerhalb von rund drei Jahren an Diabetes zu erkranken, um 58 Prozent – deutlich stärker als das Medikament Metformin (31 Prozent). Auch nach der Diagnose verbessern Bewegung und Gewichtsabnahme die Werte.
- Metformin ist seit Jahrzehnten das Standardmedikament, gut verträglich und preiswert.
- Neuere Wirkstoffgruppen wie SGLT2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonisten haben in großen Studien bei Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankung zusätzlich Herz und Nieren geschützt. Leitlinien empfehlen sie deshalb gezielt für diese Gruppen.
- Blutdruck und Blutfette: Die Behandlung eines Bluthochdrucks und bei erhöhtem Risiko eine Statintherapie senken Herz-Kreislauf-Ereignisse – oft mit größerem Effekt als eine weitere Blutzuckersenkung.
- Rauchstopp gehört zu den wirksamsten Einzelmaßnahmen überhaupt.
Regelmäßige Kontrollen
Diese Kontrollen sind feste Bestandteile des Disease-Management-Programms für Typ-2-Diabetes, das es in Deutschland seit 2003 gibt. Mehr dazu unter Patientenschulung und DMP.
Schulung
Menschen mit Diabetes treffen täglich viele Entscheidungen selbst: beim Essen, bei Bewegung, bei der Medikamenteneinnahme. Strukturierte Schulungsprogramme vermitteln das nötige Wissen. Seit den 1980er-Jahren wurden solche Programme in Deutschland entwickelt und in Studien geprüft. Sie gehören heute zur Standardversorgung und werden von den Krankenkassen bezahlt.
Bewegung, Yoga und Entspannung
Regelmäßige Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit. Ob es Walking, Radfahren, Krafttraining oder ein Yogakurs ist, spielt eine geringere Rolle als die Frage, ob man dabei bleibt. Studien zu Yoga bei Typ-2-Diabetes zeigen teils günstige Effekte auf den HbA1c, sind aber meist klein und methodisch begrenzt.
Häufige Fragen
Kann Typ-2-Diabetes wieder verschwinden?
Bei manchen Menschen normalisieren sich die Blutzuckerwerte nach einer deutlichen Gewichtsabnahme so weit, dass keine Medikamente mehr nötig sind. Fachleute sprechen dann von Remission, nicht von Heilung, weil die Werte wieder ansteigen können. Regelmäßige Kontrollen bleiben wichtig.
Muss ich bei Typ-2-Diabetes meinen Blutzucker selbst messen?
Das hängt von der Behandlung ab. Wer Insulin spritzt, misst regelmäßig. Bei Behandlung nur mit Lebensstil oder Metformin ist eine häufige Selbstmessung meist nicht nötig. Besprechen Sie, welche Messungen für Sie sinnvoll sind.
Was bedeutet Diabetes für die Füße?
Hohe Blutzuckerwerte können Nerven und Gefäße schädigen. Verletzungen werden dann schlechter bemerkt und heilen langsamer. Tägliches Anschauen der Füße, gut sitzende Schuhe und regelmäßige Untersuchungen beugen Geschwüren vor.
Quellen und weiterführende Informationen
- Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes. www.leitlinien.de
- Diabetes Prevention Program Research Group (NEJM 2002). www.nejm.org
- Gesundheitsinformation.de: Typ-2-Diabetes. www.gesundheitsinformation.de
- Wikipedia: Diabetes mellitus Typ 2. de.wikipedia.org
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Einschätzung der Evidenz ist eine redaktionelle Zusammenfassung der genannten Quellen – mehr dazu über dieses Projekt.