Blutdruck selbst messen – so werden die Werte verlässlich
- Frage
- Wie messe ich meinen Blutdruck zu Hause so, dass die Werte aussagekräftig sind?
- Kurzantwort
- Mit einem geprüften Oberarmgerät, nach fünf Minuten Ruhe im Sitzen, morgens und abends je zwei Messungen über eine Woche. Aussagekräftig ist der Mittelwert, nicht der einzelne Ausreißer.
- Sicherheit der Evidenz
- moderat

Gliederung
Ein einzelner Blutdruckwert in der Arztpraxis ist eine Momentaufnahme. Aufregung, der Weg die Treppe hinauf oder eine volle Blase können ihn deutlich verfälschen. Messungen zu Hause ergänzen das Bild: Sie finden in vertrauter Umgebung statt und lassen sich über mehrere Tage wiederholen. Die europäischen Leitlinien haben die Heimmessung deshalb aufgewertet – für die Diagnose ebenso wie für die Kontrolle einer Behandlung.
Das richtige Gerät
- Oberarmgeräte sind in der Regel zuverlässiger als Handgelenkgeräte. Letztere reagieren empfindlich darauf, ob das Handgelenk genau auf Herzhöhe liegt.
- Geprüfte Geräte bevorzugen: Die Deutsche Hochdruckliga vergibt ein Prüfsiegel für Messgeräte, die in Tests ausreichend genau gemessen haben.
- Passende Manschette: Ist sie zu klein, fallen die Werte zu hoch aus, ist sie zu groß, zu niedrig. Maßgeblich ist der Oberarmumfang, der auf der Manschette angegeben ist.
Schritt für Schritt
- Vorher 30 Minuten nicht rauchen, keinen Kaffee trinken und nicht körperlich anstrengen. Die Blase sollte leer sein.
- Fünf Minuten ruhig sitzen, den Rücken angelehnt, die Füße nebeneinander auf dem Boden, die Beine nicht übereinandergeschlagen.
- Die Manschette auf die nackte Haut legen, etwa zwei Finger breit über der Ellenbeuge. Der Arm liegt locker auf dem Tisch, die Manschette auf Herzhöhe.
- Während der Messung nicht sprechen und nicht bewegen.
- Nach etwa einer Minute ein zweites Mal messen und beide Werte notieren.
Welche Werte zu Hause als erhöht gelten
Zu Hause fallen die Werte im Durchschnitt niedriger aus als in der Praxis. Deshalb gelten andere Grenzen:
| Messart | Grenze für Hypertonie (mmHg) |
|---|---|
| Praxismessung | ab 140 / 90 |
| Heimmessung (Mittelwert) | ab 135 / 85 |
| 24-Stunden-Messung (Mittelwert) | ab 130 / 80 |
Die Einordnung Ihrer Werte und die Frage, ob eine Behandlung sinnvoll ist, gehören in das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Einen Überblick über Grenzwerte, Zielwerte und den belegten Nutzen einer Senkung gibt der Beitrag zu Bluthochdruck.
Weißkittel- und maskierter Bluthochdruck
Manche Menschen haben nur in der Praxis erhöhte Werte, zu Hause dagegen normale. Man spricht von Weißkittelhypertonie. Umgekehrt gibt es Menschen, deren Werte in der Praxis normal, im Alltag aber erhöht sind – die maskierte Hypertonie. Beide Formen lassen sich nur durch Messungen außerhalb der Praxis erkennen. Die 24-Stunden-Messung erfasst zusätzlich den Blutdruck im Schlaf.
Häufige Fehler
- Direkt nach dem Hinsetzen messen, ohne Ruhephase.
- Über dem Ärmel messen oder einen hochgekrempelten, einschnürenden Ärmel tragen.
- Nur einmal messen oder bei auffälligen Werten so oft wiederholen, bis ein „schöner“ Wert erscheint.
- Einzelne hohe Werte überbewerten. Schwankungen sind normal – entscheidend ist der Mittelwert über mehrere Tage.
- Medikamente eigenmächtig nach einzelnen Messwerten anpassen.
Messen als Teil der Selbstbehandlung
Regelmäßige Selbstmessung macht die Wirkung von Lebensstiländerungen und Medikamenten sichtbar und stärkt das Gefühl, selbst etwas beeinflussen zu können. In Studien war Selbstmessung vor allem dann mit besseren Blutdruckwerten verbunden, wenn sie mit Beratung oder einer Anpassung der Behandlung verknüpft war. Deshalb ist sie ein fester Bestandteil strukturierter Schulungsprogramme. Wer Entspannungs- oder Atemübungen ausprobiert, kann deren Einfluss ebenfalls mit dem Messprotokoll beobachten – und nicht nur mit dem Gefühl.
Häufige Fragen
Warum ist der erste Wert oft höher?
Die erste Messung fällt häufig etwas höher aus, weil sich der Körper noch auf die Situation einstellt. Deshalb wird zweimal gemessen und der Mittelwert oder der zweite Wert verwendet – je nach Empfehlung Ihrer Praxis.
Sollte ich an beiden Armen messen?
Bei der ersten Messung ist es sinnvoll, an beiden Armen zu messen. Weichen die Werte deutlich voneinander ab, messen Sie künftig am Arm mit dem höheren Wert und sprechen den Unterschied in der Praxis an.
Wie oft sollte ich messen, wenn mein Blutdruck gut eingestellt ist?
Dann reichen oft gelegentliche Kontrollen, etwa eine Messwoche vor dem nächsten Praxistermin. Tägliches Messen über lange Zeit ist meist nicht nötig und kann manche Menschen unnötig beunruhigen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Deutsche Hochdruckliga: Blutdruck richtig messen. www.hochdruckliga.de
- DGK-Kommentar zu den ESC-Leitlinien 2024. leitlinien.dgk.org
- Wikipedia: Weißkittelhypertonie. de.wikipedia.org
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Einschätzung der Evidenz ist eine redaktionelle Zusammenfassung der genannten Quellen – mehr dazu über dieses Projekt.