Herzinsuffizienz: leben mit einem schwachen Herzen
- Frage
- Was können Menschen mit Herzinsuffizienz selbst tun?
- Kurzantwort
- Sehr viel: Medikamente regelmäßig nehmen, sich täglich wiegen, Warnzeichen kennen, sich angepasst bewegen und bestimmte Schmerzmittel meiden. Das gemeinsame Therapieziel ist, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und Lebensqualität zu erhalten.
- Sicherheit der Evidenz
- hoch

Gliederung
Bei einer Herzinsuffizienz, umgangssprachlich Herzschwäche, pumpt das Herz nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper. Die Folge sind Atemnot bei Belastung, schnelle Erschöpfung und oft Wassereinlagerungen, zuerst meist an den Knöcheln. Die Erkrankung ist einer der häufigsten Gründe für Krankenhausaufenthalte in Deutschland. Die gute Nachricht: Kaum ein Bereich der Kardiologie hat in den vergangenen Jahrzehnten so viele wirksame Behandlungen hervorgebracht.
Formen und Schweregrade
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden die Herzinsuffizienz nach der Auswurffraktion – dem Anteil des Blutes, den die linke Herzkammer bei jedem Schlag auswirft:
| Form | Auswurffraktion |
|---|---|
| HFrEF (reduzierte Pumpfunktion) | 40 % oder weniger |
| HFmrEF (leicht reduziert) | 41–49 % |
| HFpEF (erhaltene Pumpfunktion) | 50 % oder mehr |
Die Einteilung ist wichtig, weil sich die Behandlung unterscheidet. Den Schweregrad der Beschwerden beschreibt die NYHA-Klassifikation von I (keine Beschwerden im Alltag) bis IV (Beschwerden in Ruhe).
Häufige Ursachen sind eine koronare Herzkrankheit, ein langjähriger Bluthochdruck, Herzklappenfehler und Herzmuskelerkrankungen.
Medikamente mit belegtem Nutzen
Für die Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion ist die Studienlage besonders gut. Leitlinien empfehlen eine Kombination aus vier Wirkstoffgruppen, die jeweils in großen randomisierten Studien Sterblichkeit und Krankenhausaufenthalte verringert haben:
- ACE-Hemmer oder – bei Eignung – ein ARNI (Sacubitril/Valsartan),
- Betablocker,
- Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten,
- SGLT2-Hemmer.
Entwässernde Medikamente (Diuretika) lindern Luftnot und Schwellungen. Die Dosen werden meist schrittweise gesteigert, was einige Wochen dauert. Wichtig ist, Medikamente nicht eigenmächtig abzusetzen, wenn es einem besser geht – oft geht es einem gerade wegen der Medikamente besser.
Die Waage als Messgerät
Selbstmanagement im Alltag
- Bewegung: Angepasstes, regelmäßiges Training verbessert Belastbarkeit und Lebensqualität. Spezielle Herzsportgruppen bieten Training unter Aufsicht.
- Salz: Eine mäßige Salzaufnahme wird empfohlen; extreme Einschränkungen sind nicht belegt.
- Trinkmenge: Eine pauschale starke Begrenzung ist nicht für alle sinnvoll. Ob und wie viel Sie Ihre Trinkmenge anpassen sollten, legt Ihr Behandlungsteam fest.
- Schmerzmittel: Sogenannte NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac können eine Herzinsuffizienz verschlechtern. Fragen Sie vor der Einnahme nach.
- Impfungen: Schutzimpfungen gegen Grippe und Pneumokokken werden empfohlen.
Viele dieser Inhalte werden in Schulungsprogrammen vermittelt. Für die chronische Herzinsuffizienz hat der Gemeinsame Bundesausschuss auch ein eigenes Disease-Management-Programm beschlossen.
Yoga und Entspannung bei Herzschwäche
Einige kleine Studien haben sanftes Yoga bei stabiler Herzinsuffizienz untersucht und Hinweise auf eine bessere Lebensqualität gefunden. Die Evidenz ist aber begrenzt. Wer Yoga ausprobieren möchte, sollte das vorher besprechen und einen Kurs wählen, der auf ältere oder vorerkrankte Menschen eingestellt ist – mehr dazu unter Yoga für verschiedene Altersgruppen und Fähigkeiten.
Häufige Fragen
Darf ich mit Herzinsuffizienz Sport treiben?
In stabiler Phase ist angepasstes Training ausdrücklich empfohlen, weil es Belastbarkeit und Lebensqualität verbessert. Art und Umfang sollten ärztlich festgelegt werden; ideal ist der Einstieg in einer Herzsportgruppe oder im Rahmen einer Rehabilitation.
Warum soll ich mich täglich wiegen und nicht einfach auf Schwellungen achten?
Wassereinlagerungen zeigen sich auf der Waage oft früher als an sichtbaren Schwellungen. Eine rasche Gewichtszunahme ist daher ein frühes Warnzeichen, auf das rechtzeitig reagiert werden kann – oft ohne Krankenhausaufenthalt.
Ist eine Herzinsuffizienz heilbar?
Das hängt von der Ursache ab. Manche Formen bessern sich deutlich, etwa nach Behandlung einer Herzklappe oder eines Bluthochdrucks. Meist ist die Herzinsuffizienz aber eine chronische Erkrankung, deren Verlauf sich mit Medikamenten und Selbstmanagement gut beeinflussen lässt.
Quellen und weiterführende Informationen
- Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz. www.leitlinien.de
- NVL-Patientenblatt: Herzschwäche – regelmäßige Gewichtskontrolle. www.nvl-programm.de
- Wikipedia: Herzinsuffizienz. de.wikipedia.org
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Einschätzung der Evidenz ist eine redaktionelle Zusammenfassung der genannten Quellen – mehr dazu über dieses Projekt.