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diemGesundheitswissen mit Belegen

Kapitel III · Yoga & Achtsamkeit

Meditieren: Methoden, Wirkung und Grenzen

Aktualisiert am 3 Min. Lesezeit4 Quellen

Frage
Ist die Wirkung von Meditation wissenschaftlich belegt?
Kurzantwort
Für strukturierte Achtsamkeitsprogramme ja, mit moderater Sicherheit: kleine bis moderate Verbesserungen bei Angst, Depressivität und Schmerz. MBCT kann Rückfällen bei wiederkehrender Depression vorbeugen. Meditation ist aber kein Allheilmittel und hat mögliche Nebenwirkungen.
Sicherheit der Evidenz
moderat
Eine Gruppe von Menschen sitzt meditierend am Kiesstrand vor einem alten Pier
Gemeinsame Meditation am Strand von Brighton. Foto: Andy Li, CC0, via Wikimedia Commons.
Gliederung
  1. Formen der Meditation
  2. MBSR und MBCT
  3. Was die Studien zeigen
  4. Mögliche Nebenwirkungen
  5. So gelingt der Einstieg
  6. Einordnung
  7. Häufige Fragen

Meditation hat sich vom Nischenthema zu einem Angebot in Kliniken, Krankenkassenkursen und Unternehmen entwickelt. Dahinter steht eine Forschung, die seit den 1980er-Jahren stark gewachsen ist. Wer anfangen möchte, stößt schnell auf große Versprechen. Dieser Beitrag unterscheidet, was gut untersucht ist und was nicht.

Formen der Meditation

Meditation ist ein Sammelbegriff. Grob lassen sich einige Grundformen unterscheiden:

  • Konzentration: Die Aufmerksamkeit wird auf ein Objekt gerichtet, etwa den Atem, und immer wieder dorthin zurückgeholt, wenn sie abschweift.
  • Offene Achtsamkeit: Gedanken, Gefühle und Empfindungen werden wahrgenommen, ohne sie festzuhalten oder zu bewerten.
  • Mantra-Meditation: Ein Wort oder eine Silbe wird innerlich wiederholt.
  • Metta: Die Übung zielt darauf, freundliche Gefühle für sich und andere zu entwickeln.
  • Bewegte Meditation: Gehmeditation, Qigong oder langsame Yogaabfolgen.

MBSR und MBCT

Ein Wendepunkt für die Forschung war die Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR), die der amerikanische Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn 1979 an der University of Massachusetts entwickelte. Das achtwöchige Gruppenprogramm verbindet Sitzmeditation, Body Scan und sanfte Yogaübungen. Aus MBSR entstand die Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT), die Achtsamkeit mit Elementen der kognitiven Verhaltenstherapie verbindet und für Menschen mit wiederkehrenden Depressionen entwickelt wurde.

Was die Studien zeigen

FragestellungBefundSicherheit
Angst, Depressivität, Schmerzkleine bis moderate Verbesserung durch Achtsamkeitsprogrammemoderat
Rückfall bei wiederkehrender Depressiongeringeres Rückfallrisiko durch MBCTmoderat
Allgemeines Wohlbefinden, Stressuneinheitliche Ergebnisseniedrig
Blutdruckkleine Senkungen in einzelnen Studienniedrig
Aufmerksamkeit, Schlaf, Gewichtwenig oder unklare Evidenzniedrig bis sehr niedrig

Die Übersicht in JAMA Internal Medicine von 2014 fand für Achtsamkeitsprogramme Effekte in einer Größenordnung, wie man sie auch von Antidepressiva in der Primärversorgung kennt – allerdings bei Menschen, die überwiegend nicht schwer erkrankt waren. Gegenüber anderen aktiven Behandlungen wie Sport oder Verhaltenstherapie war Meditation nicht überlegen. Eine Auswertung individueller Patientendaten aus mehreren Studien fand 2016, dass MBCT das Risiko eines erneuten depressiven Rückfalls über ein Jahr verringerte.

Mögliche Nebenwirkungen

Meditation gilt als risikoarm, aber nicht als risikolos. Studien, die gezielt nachgefragt haben, berichten von unangenehmen Erfahrungen wie verstärkter Angst, aufwühlenden Erinnerungen, Schlafstörungen oder einem Gefühl der Unwirklichkeit. Meist sind sie vorübergehend; in seltenen Fällen halten sie länger an. Häufiger treten sie bei intensiven Retreats mit vielen Stunden Meditation pro Tag auf.

So gelingt der Einstieg

  1. Klein anfangen: fünf bis zehn Minuten täglich, am besten zur gleichen Zeit.
  2. Bequem sitzen: auf einem Stuhl, einem Kissen oder einem Bänkchen – aufrecht, aber nicht verkrampft.
  3. Anker wählen: meist den Atem an der Nase oder im Bauch.
  4. Abschweifen ist normal: Das Bemerken und Zurückkehren ist die eigentliche Übung.
  5. Anleitung nutzen: Kurse, etwa zertifizierte MBSR-Kurse, oder geprüfte Apps erleichtern den Anfang.

Einordnung

Meditation ist eine gut untersuchte Methode, um mit Stress und belastenden Gedanken anders umzugehen. Sie ersetzt keine Behandlung bei psychischen Erkrankungen, kann aber ein wertvoller Teil davon sein. Wer eher Bewegung sucht, findet in Hatha Yoga und Stressabbau einen verwandten Weg; wer vor allem schlecht schläft, lese weiter unter Meditation zum Einschlafen.

Häufige Fragen

Wie lange sollte ich täglich meditieren?

Für den Anfang reichen fünf bis zehn Minuten. In Programmen wie MBSR wird täglich etwa 30 bis 45 Minuten geübt; ob kürzere Einheiten ähnlich wirken, ist nicht sicher geklärt. Wichtiger als die Dauer ist die Regelmäßigkeit.

Muss ich im Lotussitz meditieren?

Nein. Ein Stuhl, ein Kissen oder ein Meditationsbänkchen sind genauso geeignet, solange Sie aufrecht und entspannt sitzen können. Der Lotussitz belastet die Knie und ist für viele Menschen weder nötig noch ratsam.

Sind Meditations-Apps sinnvoll?

Apps können den Einstieg erleichtern und an regelmäßiges Üben erinnern. Einige wurden in Studien geprüft, viele nicht. Achten Sie auf seriöse Anbieter, transparente Datenschutzhinweise und darauf, dass keine Heilversprechen gemacht werden.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Goyal M et al.: Meditation programs for psychological stress and well-being (JAMA Internal Medicine 2014). jamanetwork.com
  2. Kuyken W et al.: Efficacy of MBCT in prevention of depressive relapse (JAMA Psychiatry 2016). jamanetwork.com
  3. Lindahl JR et al.: The varieties of contemplative experience (PLOS ONE 2017). journals.plos.org
  4. Wikipedia: Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion. de.wikipedia.org

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Einschätzung der Evidenz ist eine redaktionelle Zusammenfassung der genannten Quellen – mehr dazu über dieses Projekt.

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