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diemGesundheitswissen mit Belegen

Kapitel III · Yoga & Achtsamkeit

Hatha Yoga und Stressabbau: was beruhigt – und wie gut ist das belegt?

Aktualisiert am 3 Min. Lesezeit3 Quellen

Frage
Hilft Hatha Yoga gegen Stress?
Kurzantwort
Viele Menschen erleben es so, und Studien zeigen im Mittel kleine bis moderate Verbesserungen des Stresserlebens. Die Befunde beruhen allerdings meist auf Fragebögen in unverblindeten, kleinen Studien.
Sicherheit der Evidenz
niedrig
Zwei Personen üben eine seitliche Dehnhaltung auf Yogamatten in einem Büroraum
Yoga als kurze Pause im Arbeitsalltag. Foto: Cohen Young, U.S. Air Force, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Gliederung
  1. Die Elemente einer typischen Stunde
  2. Was Studien zeigen
  3. Drei Übungen zum Ausprobieren
  4. Wann Yoga nicht reicht
  5. Fazit
  6. Häufige Fragen

Stress ist zunächst keine Krankheit, sondern eine Reaktion: Der Körper stellt Energie bereit, Puls und Blutdruck steigen, die Aufmerksamkeit verengt sich. Problematisch wird es, wenn diese Alarmbereitschaft nicht mehr abklingt. Dann berichten viele Menschen von Schlafproblemen, Gereiztheit, Verspannungen oder Erschöpfung. Hatha Yoga wird häufig als Gegenmittel empfohlen. Was ist daran?

Die Elemente einer typischen Stunde

Eine klassische Hatha-Yoga-Stunde verbindet drei Bausteine, die jeweils auf eigene Weise wirken könnten:

  • Körperhaltungen (Asanas): langsame, bewusst ausgeführte Bewegungen und gehaltene Positionen. Sie lösen Verspannungen und lenken die Aufmerksamkeit auf den Körper.
  • Atemübungen (Pranayama): vor allem das Verlangsamen und Vertiefen des Atems, dazu mehr im Beitrag über die Rolle des Atmens.
  • Entspannung: meist am Ende in Rückenlage, teils als angeleitete Tiefenentspannung wie Yoga Nidra.

Welcher Anteil wie viel beiträgt, lässt sich aus den Studien kaum herauslesen, weil fast immer das Gesamtpaket geprüft wird.

Was Studien zeigen

Für achtsamkeitsbasierte Programme wie MBSR ist die Lage am besten untersucht. Eine systematische Übersicht in JAMA Internal Medicine von 2014 mit 47 Studien und mehr als 3.500 Teilnehmenden fand mit moderater Sicherheit kleine bis moderate Verbesserungen bei Angst, Depressivität und Schmerz. Für allgemeines Stresserleben und Wohlbefinden war die Evidenz schwächer.

Für Yoga selbst gibt es viele Studien mit Berufstätigen, Studierenden, Pflegekräften oder Menschen mit chronischen Erkrankungen. Sie berichten überwiegend von weniger wahrgenommenem Stress nach einigen Wochen Kurs. Die meisten sind jedoch klein, dauern nur wenige Wochen und vergleichen Yoga mit einer Warteliste statt mit einer anderen Aktivität. Die Sicherheit der Aussagen ist deshalb niedrig.

Drei Übungen zum Ausprobieren

Die folgenden Übungen sind einfach, brauchen keine Vorkenntnisse und lassen sich im Alltag unterbringen. Sie ersetzen keinen Kurs, geben aber einen Eindruck.

  1. Verlängertes Ausatmen: Im Sitzen durch die Nase einatmen und dabei langsam bis vier zählen, dann bis sechs zählen und dabei ausatmen. Fünf Minuten lang wiederholen. Wird Ihnen schwindlig, atmen Sie wieder normal.
  2. Katze und Kuh: Im Vierfüßlerstand beim Einatmen den Rücken sanft durchhängen lassen und den Blick heben, beim Ausatmen den Rücken runden. Zehnmal langsam im Atemrhythmus.
  3. Liegende Entspannung: Auf dem Rücken liegen, Arme neben dem Körper, und die Aufmerksamkeit ohne Eile von den Füßen bis zum Kopf wandern lassen.
Atemkurve mit kurzer Ein- und längerer Ausatmungein 4aus 6ein 4aus 6ein 4aus 6Einatmen 4 Zählzeiten · Ausatmen 6 Zählzeiten ≈ 6 Atemzüge pro Minute
Langsames Atmen mit verlängerter Ausatmung – ein häufiger Rhythmus in Atemübungen.

Wann Yoga nicht reicht

Stress kann in eine Erkrankung übergehen. Anhaltende Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen über Wochen oder Gedanken an den Tod sind Anlass, ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Bei Depressionen sind Psychotherapie und gegebenenfalls Medikamente gut belegte Behandlungen. Yoga und Meditation können eine Ergänzung sein.

Fazit

Hatha Yoga ist für viele Menschen ein angenehmer Weg, zur Ruhe zu kommen – und das ist ein legitimer Grund, es zu üben. Die Forschung stützt kleine bis moderate Effekte auf das Stresserleben, mit begrenzter Sicherheit. Wer herausfinden möchte, ob es ihm guttut, probiert es am besten einige Wochen regelmäßig aus. Hinweise für den Einstieg gibt der Leitfaden für Anfänger.

Häufige Fragen

Was ist besser gegen Stress: Yoga, Sport oder Meditation?

Direkte Vergleiche zeigen meist keine klaren Unterschiede. Am wirksamsten ist vermutlich die Methode, die man gern und regelmäßig anwendet. Viele Menschen kombinieren Ausdauersport mit einer ruhigeren Praxis.

Wie schnell wirkt Yoga gegen Stress?

Viele spüren direkt nach einer Stunde eine gewisse Entspannung. Studien, die länger anhaltende Effekte auf das Stresserleben messen, laufen meist über acht bis zwölf Wochen mit regelmäßiger Übung.

Übernimmt die Krankenkasse Yogakurse zur Stressbewältigung?

Viele gesetzliche Kassen bezuschussen zertifizierte Präventionskurse, darunter zahlreiche Yogakurse. Voraussetzung ist in der Regel das Siegel „Deutscher Standard Prävention“ und eine regelmäßige Teilnahme.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Goyal M et al.: Meditation programs for psychological stress and well-being (JAMA Internal Medicine 2014). jamanetwork.com
  2. Gesundheitsinformation.de: Stress. www.gesundheitsinformation.de
  3. Wikipedia: Stress. de.wikipedia.org

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Einschätzung der Evidenz ist eine redaktionelle Zusammenfassung der genannten Quellen – mehr dazu über dieses Projekt.

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